In Kooperation mit der St. Pauli Kirche und dem Lebendigen Kulturerbe St. Pauli e.V
Die Herbertstraße 1935.
Bildquelle: Stiftung Günter Zint. Fotograf unbekannt.
Die Herbertstraße 1935.
Bildquelle: Stiftung Günter Zint. Fotograf unbekannt.
Die beiden Sichtblenden am Ein- und Ausgang der Herbertstraße sind feste Bestandteile der „Ikonographie“ St. Paulis und gehören zu den begehrtesten Werbeflächen im Stadtteil. Jedes Jahr bleiben Millionen Tourist*innen davor stehen, stellen Vermutungen an, und fotografieren.
Doch im Gegensatz zum Bekanntheitsgrad der Straße ist nur Wenigen bekannt, dass die metallenen Barrieren im Mai 1933 von den nationalsozialistischen Machthabern aufgestellt wurden – als Grenze zwischen der „Sünde und Schande für die Volksgemeinschaft“ und dem „gesunden deutschen Volksempfinden“. Für viele Frauen des Gewerbes endete die behördliche Diskriminierung und Kasernierung hinter die Sichtblenden mit Entmündigung und/oder Tod - im KZ Neuengamme oder KZ Ravensbrück, an den Folgen einer Zwangssterilisierung oder aus Verzweiflung durch eigene Hand.
2022 stellte sich der Pastor der St. Pauli Kirche, Sieghard Wilm, die Frage: „Wer waren diese Frauen und initiierte Arbeitsgruppe mit dem Ziel, ein würdiges Gedenken für Prostituierte als Opfer des NS-Regimes zu schaffen.
Im April 2024 war es durch die Initiative dieser Gruppe gelungen, den Denkmalschutz für die Metallblenden zu erwirken, im August 2024 konnte, finanziert von Bezirk Hamburg Mitte, einen Gedenkschwelle am Eingang zur Herbertstraße verlegt werden.
An dieser Schwelle befindet sich ein QR-Code, dessen Inhalte über die Diskriminierung Prostituierter vom Kaiserreich bis in die Gegenwart aufklären soll – um zu vermitteln, dass die Entrechtung von Frauen, die sich dem herrschenden System nicht anpassten, weder eine „Erfindung“ der Nazis, noch nach 1945 zu Ende war.
Links:
Süddeutsche Zeitung, 09.08.2024 - Gedenken an Herbertstraßen-Prostituierte in NS-Zeit
ZDFheute, 09.08.2024 - Sexarbeiterinnen in NS-Zeit:Drangsaliert, deportiert - und vergessen
NDR, 11.08.2024 - St. Pauli: Gedenk-Bordstein erinnert an Prostituierte zur NS-Zeit
Siehe dazu:
Von Sandgruben und Sichtblenden. Eine kleine Chronik der Herbertstraße.